Heute verbreiten sich im Internet ominöse, digitale Heilsbringer wie die "Roulette Number"-Software, die auf Zahlen (Plein) aufbaut. Sie stehen in puncto Nutzlosigkeit ihren Vorgängern aus vergangenen Zeiten in nichts nach.
Alles begann mit der Entwicklung von Strategien, die in einem Roulette-Computer enthalten waren. Die Frage, warum auch diese programmierte Hilfe erfolglos ist, warum Systeme auf der Basis von Bits und Bytes nichts taugen, warum sie in der Praxis nicht funktionieren und warum man mit einem technischen Helfer auf Dauer nicht gewinnt, werde ich Ihnen auf dieser Seite beantworten und zwar ganz analytisch.
Es gab sie schon vor Jahrzehnten, kleine Taschenrechner, in denen eine Roulette-Analyse-Software einprogrammiert war. Auch für Blackjack wurden solche Geräte konzipiert. An sich war die Hardware nichts Besonderes. Die Kosten der Herstellung hielten sich in einem sehr bescheidenen Rahmen.
Die Software aber, welche für ein angeblich geheimes und gewinnsicheres Roulette-System geschrieben wurde, war nicht kostenlos. Dafür musste der Spieler horrende Preise bezahlen, denn wer etwas mit Hilfe von Programmen oder Apps überlisten will, der muss auch dafür zahlen.
Geliefert wurde ein magischer, kleiner Kasten. Bittere Erfahrungen waren im Preis inbegriffen, denn damit Geld zu gewinnen, war alles andere als einfach.
Doch zuerst trabte so mancher nach dem Ankauf mit dem programmierten Gerät in der Tasche siegessicher in die Spielbank. Es bestand kein Zweifel: Heute wird der Spieltisch gesprengt, denn die Prognosen erschienen plausibel. Heute wird so viel gewonnen wie noch niemals zuvor. Endlich kann man beim Roulette gewinnen und das für immer. Jetzt hat sich doch noch der Traum erfüllt, vom Spiel zu leben.
Leider ist bis heute die Masche mit Programmen, die dem Spieler Aufzeichnungen oder Berechnungen ersparen sollen und natürlich riesige, sichere Gewinne garantieren, nur ein Verkaufstrick.
Der Anwender soll gar nicht wissen, was für ein System er da gerade spielt. Das ist die Masche.
Wüsste er, was sich manchmal für ein blanker Unfug hinter dem Download oder der Softwareinstallation verbirgt, er würde nur mit dem Kopf schütteln über seine eigene Einfalt, auf solch eine Scharlatanerie blindlings hereingefallen zu sein.
Doch warum verfangen diese Versprechungen immer wieder?
Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: Der Mensch ist ein Muster suchendes Wesen. Er erblickt Ordnung, wo nur Zufall herrscht, und deutet willkürliche Ereignisse als Zeichen einer höheren Gesetzmäßigkeit.
Ein Roulette-Analyse-Computer suggeriert genau diese Gesetzmäßigkeit. Er errechnet aus vergangenen Zahlen vermeintliche Häufungen, wertet Serien aus oder projiziert Trends in die Zukunft. Was dabei herauskommt, ist eine Zahl, eine Farbe, ein Dutzend – und der Spieler fühlt sich bestätigt.
Trifft die Prognose ein, war es das Können des Gerätes; trifft sie nicht ein, war es Pech oder der berühmte „Ausreißer“.
Dass die Trefferquote langfristig exakt dem Erwartungswert des Zufalls entspricht, verschweigen die Hersteller geflissentlich. Sie verkaufen nicht Mathematik, sie verkaufen das Gefühl der Kontrolle über das Unkontrollierbare.
Selbst wenn man die absurdeste aller Überlegungen anstellt, nämlich dass ein programmierter Algorithmus tatsächlich eine physikalische Unregelmäßigkeit am Kessel ausnutzen könnte: Dafür bedürfte es nicht nur eines winzigen, versteckten Messgerätes im Zusammenspiel mit einem Hochleistungsrechner, sondern auch der absoluten Sicherheit vor Entdeckung.
Die Casinos sind keine ahnungslosen Wohltäter; sie überwachen, sie tauschen Kessel aus, sie justieren die Rotoren neu. Wer glaubt, mit einem überteuerten Taschenrechner aus dem Internet das mathematische Fundament des Roulette überwinden zu können, der verwechselt Wunschdenken mit Wahrscheinlichkeitsrechnung. Es gibt nur einen Faktor, der über Sieg oder Niederlage am grünen Tisch entscheidet: das Kapital des Spielers im Vergleich zum unerbittlichen 2,7 % Vorteil der Bank und dem unermesslichen Pech, das sich immer wieder manifestiert.
Kein Chip der Welt, kein noch so flink kalkulierender Mikroprozessor vermag diese Hypothek zu tilgen. Eine seriöse Roulette-Strategie beginnt deshalb nicht mit dem Kauf eines Wundergerätes, sondern mit der Einsicht, dass Roulette in vorrangiger Hinsicht ein Spiel des Glücks ist und bleibt. Jeder Euro, den Sie für eine vermeintliche Computer-Gewinngarantie ausgeben, ist ein Euro, der direkt in die Tasche findiger Schwindler wandert. Das ist das einzige sichere Geschäft in dieser betrüblichen Gleichung.
Wer dennoch nicht vom Glauben an die Macht der Mikrochips lassen mag, dem sei ein simpler Selbstversuch empfohlen: Notieren Sie zwanzig gefallene Roulette-Zahlen und füttern Sie damit Ihren Computer. Lassen Sie ihn die nächste Zahl berechnen. Dann werfen Sie eine Münze
Auf lange Sicht werden Sie feststellen, dass die Trefferquote beider Methoden identisch ist – nur dass der Münzwurf deutlich preiswerter ausfällt und Sie nicht mit nutzlosem Ballast in der Jacke herumlaufen müssen.
So hat es jedenfalls den Anschein. Die Software gibt einem vor, wann, wohin und wie viel zu setzen ist. Einfacher geht es nicht. Darin liegt auch der Reiz, sich so etwas anzuschaffen.
Es ist auf den ersten Blick besser als jede gedruckte Roulette-Strategie, die man erst lesen und bei der man die Buchungen selbst tätigen muss.
Das Problem ist nur: Die programmierte Strategie kann so einfach und unsinnig sein, wie sie will, denn nur mit großer Mühe ist es möglich, herauszufinden, welche Taktik in dem kleinen Kasten wirklich schlummert, was sich also hinter den Codezeilen versteckt. Sie müssen schon ein Prophet sein, um das erahnen zu können.
Oft ist die Programmierung banal, weil die programmierte Roulette-Strategie völlig substanzlos ist. Man spielt einen ganz einfachen Marsch, wie z.B. nach R-R-S immer S-R-S oder immer die vorletzte, gefallene Farbe, also irgendetwas, das beim Roulette auf Dauer sowieso keine Gewinne abwirft. Aber das weiß der Anwender natürlich nicht, weil ihm der Inhalt des kleinen Kastens, der App oder was auch immer unbekannt ist. Das Einzige, das ausgetrickst wird, sind Sie.
Ein gutes Beispiel typischer Veralberung ist die "Roulette Number"-Augenwischerei. Dahinter verbirgt sich eine Martingale auf Zahlen, auch „Plein“ genannt. Man erhöht also den Einsatz immer dann, wenn nötig, und zwar immer steiler und steiler.
Mehr sagt einem das Programm nicht. Mehr braucht es auch nicht, um Haus und Hof zu verspielen.
Da Sie vorher nicht wissen können, wie dick es am Ende kommen wird, sage ich es Ihnen. Über 3.500 Stücke sind weg.
Hier die entlarvenden Fakten des Schemas:
Generell gilt das Folgende: Wird der Download einer Software, mit der man angeblich das Roulette besiegen kann, kostenlos angeboten, ist entweder ein Haken dabei, oder es befindet sich Online-Casino-Werbung mit gefakten Erfahrungen direkt daneben, damit man auch ja tüchtig sein Geld verliert, denn die Werber kassieren bis zu 40 % Provision von Ihren Verlusten.
Eine Analyse nützt Ihnen wenig, wenn die damit verbundenen Vorhersagen nicht eintreffen.
Auch die Casino-Software an sich lässt sich nicht austricksen. Berichte darüber gehören in das Reich der Märchen.
Stellen Sie sich vor, im Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn wäre ein Softwarefehler. Glauben Sie wirklich, niemand im Unternehmen würde das bemerken oder den Automaten vorher auf Fehler testen? Analyseprogramme finden binnen Sekunden solche Fehler im System. In der Spielbank ist es in der heutigen Zeit nicht anders.
Immer wieder tauchen neue Varianten solcher ominösen Programme auf, die auf einem angeblichen Algorithmus aufbauen und ausgerechnet im Online-Casino funktionieren sollen. Sie haben verschiedene Namen wie Roulette Hunter, R-Exploiter, R-Flasher, R-Sequence, R-Adaptor, R-Shot, R-Diamond oder R-Tracker.
Wer sie benutzt, sollte sie als das ansehen, was sie sind: eine Spielanregung, reine Unterhaltung, denn die vorgeschlagenen Einsätze basieren auf einem eingebauten Zufallsgenerator und haben nichts mit dem realen Spielverlauf zu tun.
Starten also zehn Online-Spieler z.B. den R-Exploiter mit der gleichen Permanenz und sitzen gleichzeitig am Bildschirm, bekommt bei der gleichen Ausgangslage jeder Spieler andere Zahlen vorgeschlagen, die man setzen soll. Das macht sogar Sinn, denn durch die Streuung wird immer einer gewinnen. Es müssen also nur genug Spieler das Programm verwenden. So kann man Gewinner immer für sich proklamieren. Von der Mehrzahl der Verlierer gibt es 40 % Provision vom Online-Casino, ein einträgliches Geschäft.
Natürlich ist es nicht verboten, mit kostenlosen Programmen auch aus der „Roulette-Hunter“-Familie das Spielen in Online-Casinos zu bewerben, nur sollte man meiner Meinung nach nicht so ganz dick auftragen. Ich weiß, die Konkurrenz ist groß. Neue Spieler zu finden wird immer schwieriger, aber manchmal ist weniger eben mehr.
Es ist nur eine nette Spielerei, die man nicht so ganz ernst nehmen sollte. Wer es möchte, kann so eine Software gerne nutzen. Die Idee ist nicht neu. An einigen Multi-Roulette-Geräten kann sich der Spieler auch „Glückszahlen“ vorschlagen lassen, die dann automatisch gesetzt werden, falls man nicht groß überlegen möchte oder nach keinem festen System spielt. Der mit einem Lottozahlen-Generator erzeugte Quicktipp arbeitet nach dem gleichen Prinzip. Nur weiß man beim Lotto und beim Touchbet, dass es purer Zufall ist. Niemand gaukelt einem etwas vor. Das ist der Unterschied.
Eigentlich misstraut der Mensch instinktiv einem Computer, wenn es ums Glücksspiel geht. Beim RNG-Roulette bestätigt sich die Skepsis, denn er ist zuungunsten des Spielers programmiert. Verspricht ein Computerprogramm Gewinne, lässt die Hoffnung auf den ersehnten Geldregen jede Skepsis verschwinden.
Man könnte nun glauben, die Anbieter solcher Analyserechner würden im Laufe der Zeit zumindest raffiniertere Algorithmen entwickeln. Weit gefehlt.
Die Masche bleibt seit Jahrzehnten die gleiche, lediglich die Verpackung wird aufgehübscht. Früher war es der programmierte Taschenrechner, heute ist es eine Cloud-Lösung mit Künstlicher Intelligenz, morgen vielleicht ein neuronal vernetztes Roulette-Orakel. Der Kern jedoch bleibt unverändert: Man verkauft Ihnen das Gefühl, die Kontrolle zu besitzen, während in Wahrheit allein der Zufall regiert. Jede ernsthafte Roulette-Strategie muss diesen Umstand als oberste Prämisse anerkennen. Wer das nicht tut, wer weiter nach der verborgenen Ordnung im Chaos sucht, der gleicht einem Alchimisten, der Blei zu Gold verwandeln will, ein ehrenwertes, aber aussichtsloses Unterfangen. Die Casinos verdanken ihre Prachtbauten nicht der Großzügigkeit einiger weniger Gewinner, sondern der Hartnäckigkeit vieler Verlierer, die sich nicht eingestehen wollen, dass der Feind nicht im Kessel, sondern im eigenen Kopf sitzt.
Solange Sie nach einem Gerät suchen, das Ihnen die Entscheidung abnimmt, solange werden Sie auch eines finden. Ob es Ihnen hilft, ist eine andere Frage. Die Antwort kennen Sie längst, auch wenn Sie sie vielleicht nicht hören wollen: Einen Kieselstein, den Sie nach jedem Coup von der linken in die rechte Tasche stecken, leistet exakt dasselbe wie ein tausend Euro teurer Roulette-Computer, und er macht keinen Lärm, wenn Sie ihn fallen lassen.
Aus diesem Grund kann nur eine Taktik erfolgreich sein, die sowohl den echten Trend als auch das eigene Glück und Pech analysiert, einordnet und bespielt, und zwar mit echtem Zufall, den der Spieler selbst erzeugt, nicht mit dem eines Computers, der für Ihr individuelles und personenbezogenes Glück kein echter Zufall ist.
Es ist unmöglich, die Zahl genau vorherzusagen, die im nächsten Coup erscheinen wird. Im besten Fall ist immer nur eine Richtung, eine Tendenz zu erkennen. Das gilt für alle bespielbaren Einsatzmöglichkeiten.
Wer sich auf eine technische Lösung verlässt, der wird sich auch immer davon abhängig machen. Der Spieler wird niemals die Zusammenhänge der Software kennen, welche die Satzvorgaben macht, und damit Gewinn und Verlust entstehen lässt. Er muss sich auf Gedeih und Verderb auf das Programm verlassen und ist damit fernab der realen Vorgänge, die sich in Wirklichkeit in den Spielbanken abspielen.